Faszinierende Faszien und Myofasziales Taping

Das Wort „Faszie“ ist mittlerweile in aller Munde. Auch Trainingskonzepte wie Faszien Workouts werden in zahlreichen Fitnessstudios angeboten und sogenannte Faszienrollen werden als Trainingsgerät zur Selbstmassage immer mehr genutzt. Doch was sind eigentlich Faszien und wofür sind diese gut?

Das erste Mal bekam ich 2012 einen tieferen Einblick in diese Materie, die damals noch nicht so weit verbreitet war, als ich während meines Sportstudiums einen myofaszialen Tapingskurs von der Physio Taining Academy erfolgreich absolvierte. Meine Kenntnisse habe ich dann in einem Aufbaukurs im Jahr 2017 vertieft. Dort lernte ich was Faszien sind, wo sich diese im Körper befinden und welche Funktion sie übernehmen.

Der menschliche Körper besteht aus mehr als 600 verschiedenen Muskeln. Die Skelettmuskeln, die an den Knochen befestigt sind und die unseren Körper steuern, können wir bewusst bewegen. Diese machen etwa zwei Drittel unserer Gesamtmuskulatur aus. Muskelkontraktionen werden von unserem Nervensystem gesteuert, d.h. noch bevor sich unser Muskel bewegt, werden Nervenimpulse innerhalb einer Millisekunde vom Gehirn gesendet und auf den Muskel übertragen. Grob gesagt beginnt die Bewegung unseres vielschichtig aufgebauten Muskels in seinem tiefsten Inneren, im Sarkomer, der kleinsten funktionalen Einheit des Skelettmuskels. Wie Skelettmuskeln genau aufgebaut sind und wie es zur Verkürzung eines Sarkomers kommt, kannst du hier demnächst noch einmal detaillierter nachlesen. Letztendlich sorgen tausende dieser Sarkomere, die in einer Muskelfaser hintereinander liegen für die Verkürzung (Kontraktion) des gesamten Muskels.

Alle verschiedenen Funktionseinheiten des Muskels werden von einer elastischen und gleichzeitig schützenden Bindegewebshaut, der Faszie, umgeben. Jeder, der schon einmal Fleisch zubereitet hat, wird diese kennen. Sie verbindet alle Einheiten miteinander und lässt auf diese Weise auch eine Vielzahl von Muskeln miteinander in Verbindung stehen, sodass man von einem myofaszialen System sprechen kann. Letztere Betrachtungsweise der Faszienforscher, nämlich, dass Muskeln im Umkehrschluss eben nicht isoliert voneinander arbeiten, sondern zusammen mit den Knochen eine Art Spannungsnetzwerk bilden und die Faszien für Körperhaltung und –bewegung als physiologische Stützfunktion fungieren, geht über die der klassischen Anatomie hinaus. Der menschliche Körper wird mit dem „Tensegrity“-Modell (tension (=Spannung) und „integrity“ = Einheit) verglichen, ebenfalls ein Spannungsnetzwerk, das in der Statikkonstruktion in der Architektur verwendet wird.

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Dieses Kinderspielzeug ist dem „Tensegrity“-Modell im Systemaufbau sehr ähnlich.

Leiden wir an Bewegungseinschränkungen oder verspüren wir bei bestimmten Bewegungen sogar Schmerzen, liegt die Ursache oftmals im Gewebe und nicht in der Muskulatur selbst. Im Umkehrschluss heißt das, der arbeitende Muskel ist vom Zustand des ihn mittelbar und unmittelbar umgebenden Fasziennetzes abhängig. Durch mangelnde Bewegung und Fehlbelastungen, kann sich die Struktur von Faszien negativ verändern, was sich wiederum auf Bewegungsmuster auswirken und sogar zu einem gesteigerten Verletzungsrisiko und einem immer schlimmer werdendem Dysfunktionskreislauf führen kann. Stundenlanges Sitzen bei der Arbeit, ständiges Umhertragen seiner kleineren und größeren Kinder, eine angespannte und unbequeme Haltung beim Stillen oder physiologische Veränderungen und die damit einhergehende Verlagerung des Körperschwerpunktes in der Schwangerschaft gehören mit zu den Problemen die restriktierte Bewegungen verursachen. Um dagegen zu steuern, gilt es sich zu bewegen, und das effizient, und – im wahrsten Sinne des Wortes – Haltung zu bewahren. Sitzen wir also mehrere Stunden am Stück am Schreibtisch, müssen wir mehrere bewegte Pausen einlegen, um nicht regelrecht einzurosten. Beim Hochnehmen, Tragen und Ablegen unserer kleinen Sprösslinge, sollten wir immer rückenschonend vorgehen. Während der Schwangerschaft kann man durch eine aufrechte Haltung aktiv gegen eine Hohlkreuzstellung lenken und Schmerzen mithilfe verschiedener Übungen lindern oder gar vorbeugen.

Neben gezielten bewegungsgesteuerten und physiotherapeutischen Maßnahmen bei anhaltenden Schmerzen, kann die Myofasziale Taping Methode nach Markus Erhard, die mit einer Diagnostik von dysfunktionalen Haltungs- und Bewegungsmustern einhergeht, angewandt werden. Die Muskel- und Faszienspannung kann durch Verschiebung reguliert werden und die damit einhergehende Entlastung führt zu strukturellen Veränderungen sowie zu verbesserter Gleiteigenschaft der Faszien. Auf diese Weise können durch direkte Ansteuerung des myofaszialen Spannungsgefüges Muskelfunktionen positiv beeinflusst und Bewegungseinschränkungen, Haltungsdefizite sowie Schmerzzustände effektiv verbessert werden.

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