Babyschlaf und warum der uns um den Schlaf bringt

Dass die ersten Monate schlafloser und schwieriger werden können, darauf war ich eingestellt, aber, dass diese Phase nach den sagenumwobenen Dreimonatskoliken weiter anhalten würde und gleich mehrere Jahre andauern kann, dessen war ich mir nicht bewusst. Früher hatte ich so meine Vorstellung, dass man das Kind abends glücklich und zufrieden ins Bettchen legt, in dem es dann morgens gut gelaunt und voller Vorfreude auf den kommenden Tag wieder aufwacht 😉 Weit gefehlt… zumindest bei uns (oder ist dies etwa auch reine Erziehungssache?!)

Während des Wochenbetts hatten wir unsere Hebamme, die uns stets bei jeder Frage mit Rat uns Tat zur Seite stand. Zudem hat sie uns immer ein Gefühl von Sicherheit vermittelt und uns ermutigt ganz nach unserem Instinkt zu handeln. Hatten wir mal wieder ein ganz unruhiges Kind, das gefühlt die ganze Nacht durchschrie – angefangen ab ca. 17 Uhr –, sagte sie oftmals, „das ist ganz normal, das passt zum Alter“… Mit den Körpern dieser kleinen Geschöpfe passiert innerhalb kürzester Zeit so viel: das Wachstum, die ganzen Eindrücke und Neuerungen, die regelrecht auf sie einprasseln – das will erst einmal verarbeitet werden. Sie riet uns stets zu „experimentieren“, was letztendlich in den etwas schwierigeren Phasen zu unserem Leitwort wurde, und so konnten wir dann immer sagen, „tja, das passt wohl zum Alter…!“ und grinsten uns dabei an. Da der Babyschlaf während der ersten Wochen ohnehin noch sehr unregelmäßig ist, machten wir uns über das Schlafverhalten unserer Tochter nicht so viele Gedanken, waren nur sehr, sehr müde. Als wir dann nach etwa drei Monaten das erste mal gefragt wurden, ob unsere Kleine denn schon durchschläft… machten wir uns insgeheim schon etwas darüber lustig und fragten uns, erstens, was denn eigentlich durchschlafen in diesem zarten Alter heißt, zweitens, ab wann ein Kind einen Schlafrhythmus gefunden hat (oder der Gesellschaft nach gefunden haben sollte!) und drittens, wann wir denn gefragt werden, ob sie schon läuft oder gar sauber ist.

Durchschlafen bedeutet übrigens nicht, dass Babys ab dem Zeitpunkt, in dem sie ins Bettchen gelegt werden bis zum morgendlichen Erwachen kein einziges mal aufwachen, sondern es bezeichnet eine durchgehend fünfstündige Schlafphase, die meist von Mitternacht bis fünf Uhr morgens anhält. Ein grober Tag-Nacht-Rhythmus hatte sich bei ihr etwa ab einem halben Jahr schon eingependelt, aber die Feinstruktur – und besonders nachts – lässt bis heute, im 10. Monat, noch deutlich zu wünschen übrig ;-), ganz zu schweigen vom Durchschlafen… Dass nicht automatisch ins Bett gehen angesagt ist, sobald der Schlafanzug angezogen und ein – wie von vielen empfohlenes – Ritual (wie sich vom Spielzeug verabschieden oder ein Gute-Nacht-Lied singen) vollzogen ist, das war uns ganz schnell klar. Denn unsere mini Maus hat ihren ganz eigenen Rhythmus. Und so haben wir stets experimentiert – mit vollem Körpereinsatz. Eine ganze Zeit lang ließ sich unsere Tochter nur im Tragetuch in den Schlaf tanzen, manchmal ließ sie sich nur darauf ein, die Äuglein zu schließen, wenn ihr Lieblingslied lief (Mi Gente von J. Balvin 😉 – übrigens bis heute das einzige Lied mit dem sie sich besänftigen lässt, wenn gar nichts mehr geht), aber eigentlich findet sie ausschließlich trinkenderweise in den Schlaf. Aber am auffälligsten ist das ständige nächtliche abrupte Erwachen aus dem Schlaf. Und dann muss es ganz schnell gehen (und das tut es auch, da sie bei uns im Elternbett schläft): trinkenderweise und mit einigen Streicheleinheiten lässt sie sich dann relativ schnell wieder beruhigen. Erzählte ich anderen davon, kam prompt die Nachfrage, ob ich keine Angst hätte, mein Kind so zu verwöhnen. Denn schließlich sollen Kinder ja lernen sich selbst zu beruhigen und wieder eigenständig in den Schlaf zu finden. Doch fördert man die Herausbildung von Eigenständigkeit indem man die Kinder einfach sich selbst überlässt? Bei meinem Recherchen bin ich auf eine These gestoßen, die aus der Entwicklungspsychologie herrührt und der zufolge eben gerade die Sicherheit erst aus der Erfahrung heraus entstehen und wachsen kann, wenn das Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit (im wahrsten Sinne des Wortes) gestillt wird, sobald das Kind das Verlangen danach zeigt.

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Für mich macht das insofern Sinn, als dass die eigene erfahrene Sicherheit wiederum dafür genutzt werden kann, die Welt selbständig zu entdecken und zu erkunden. Erfahre ich die nicht, woher soll ich dann den Mut nehmen? Die Frage ist also woher diese Unentspanntheit letztendlich kommt? Es ist wahrscheinlich unsere eigene Unentspanntheit: und der in den Eltern aufkommende Stress überträgt sich dann auf das Kind. Babyschlaf ist – wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann – in jedem Fall nicht planbar und wird erst dann zum Stress, wenn gegen ein natürliches Bedürfnis regelrecht gekämpft wird (auch hier kann ich einen Vergleich zum Thema Essverhalten ziehen)! Selbst wenn man sich an Ratschläge hält wie, mehrere Stunden vor dem Zubettgehen nichts Aufregendes mehr zu machen, routinierte Tagesabläufe zu schaffen und auf Signale wie Gähnen, Augenreiben oder Ähnliches zu achten… Babys Schlaf macht doch was er will. Manchmal habe ich das Gefühl, wenn man nur dieses eine kurze Müdigkeitshoch verpasst, muss man auf den nächsten passenden Moment warten; denn länger wach gleich umso müder? Weit gefehlt… Natürlich habe ich auch versucht mich hier und da im Internet oder durch irgendwelche Ratgeber schlau zu machen und bin dabei unter Anderem auf Vorschläge gestoßen, die nicht meinem persönlichem Verständnis entsprechen, mein Kind als eine Art Training dabei zu begleiten, den eigenen Schlafrhythmus zu finden oder besser gesagt ihm diesen aufzuerlegen. Denn was ich davon halte das Verhalten meines Kindes in eine bestimmte Richtung zu drängen, kannst Du in Bezug auf das Essverhalten in meinem Beitrag „Gewöhnung an Breimahlzeiten – reine Erziehungssache? Zwischen Neugier und Schreikrampf“ nachlesen. Es mag viele Kinder geben bei denen es (womöglich tadellos) funktioniert, gar keine Frage!

Letzten Endes findet jedes Elternpaar seinen ganz persönlichen Weg, sein/e Kind/er – auf womöglich ganz unterschiedliche Art und Weise – bei den zahlreichen Hürden, die es/sie während ihrer Entwicklung zu nehmen hat/haben, zu begleiten.

Warum uns der Babyschlaf um den Schlaf bringt, dass wissen vermutlich nur die Kleinen selbst (oder nicht mal die). Vielleicht stimmen einfach die Umstände nicht oder oder oder… Wir können nur versuchen unseren Kindern den nötigen Rahmen zu geben, und vielleicht ist es manchmal auch unsere innere Einstellung, die uns hilft Situationen zu meistern, die nicht ganz unserer Idealvorstellung entsprechen. Instinkte und Urvertrauen werden uns dabei helfen; es ist also nicht immer ein Ratgeber nötig, der Dir (vermeintlich) vorgibt, was zu tun ist, um Besserung zu erfahren. Meiner Meinung nach kannst Du Dein Kind, was das Schlafenlernen angeht, nicht verwöhnen und lass die „Mein-Kind-kann-aber-schon-Gesellschaft“ sagen was sie will, Dein Kind geht eben seinen ganz individuellen und persönlichen Weg. Versuche einfach mal zu schmunzeln und Dir zu sagen: “das ist ganz normal, das passt wohl zum Alter“… – auch wenn das eine gefühlte Ewigkeit andauert; doch Zeit ist relativ.

Damit sich der Kreis am Ende schließt, muss es um das allgemeine Wohl von Kind und Eltern gut bestellt sein. Da sich durch Sport positive Effekte, sowohl physischer als auch psychischer Art, auf den menschlichen Körper nachweisen lassen und sich auch sportliche Aktivität und Schlaf gegenseitig beeinflussen, warum also diese Themen nicht miteinander verbinden? Denn ebenso wie Sport ist Schlaf eine notwendige Grundlage, die sich auf unser physisches und psychisches Wohlbefindet auswirkt. D.h. sportlich aktive Menschen weisen eine subjektiv verbesserte Schlafqualität auf. Da Babys ebenfalls oftmals besser schlafen, wenn sie viel Zeit an der Luft verbracht haben, kann man doch Schönes mit Nützlichem verbinden und sich gemeinsam mit Kind sportlich (an der frischen Luft) betätigen?! Also: Keep on moving 😉

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