Gewöhnung an Breimahlzeiten – reine Erziehungssache? Zwischen Neugier und Schreikrampf.

Ganz so einfach wie ich mir die Umstellung auf die Breimahlzeiten im Vorfeld vorgestellt habe, ist es bei uns nun also doch nicht gelaufen…

Im sechsten Monat habe ich mich voller Elan und Vorfreude an die Zubereitung des allerersten Karottenbreis gemacht. Konnte die Reaktion unserer mini Maus kaum erwarten… Natürlich war ich mir bewusst, dass nicht alle Löffelchen auf Anhieb im Mund landen werden, da dieser neue Bewegungsablauf ein ganz anderer ist als der beim Saugen. Wenn zunächst der Brei mit der Zunge wieder nach draußen gedrückt wird, heißt das also nicht, dass der Geschmack aufgrund meiner mangelnden „Kochkünste“ nicht sofort gut ankommt – so habe ich es zuvor gelesen. Denn auch essen will gelernt sein. Geduld ist nun nicht meine allergrößte Stärke, aber mit Ruhe und Gelassenheit würde ich das schon hinbekommen, dachte ich…

Nachdem beim ersten Versuch zusammengenommen wahrscheinlich nicht mal ein halber Löffel im Mund unserer Tochter gelandet ist, habe ich mich dennoch frohen Mutes an Tag zwei wieder ans Werk gemacht. Im Laufe der Woche konnte ich jedoch keinerlei Fortschritte bemerken – im Gegenteil – das Gesicht wurde in Kombination mit Würgereizgeräuschen stark verzogen. Ich war der Meinung, es sei nun an der Zeit den Speiseplan geschmacklich aufwerten zu müssen und habe daraufhin den reinen Gemüsebrei zunächst auf einen Gemüse-Kartoffelbrei mit Fettzusatz in Form von etwas Rapsöl erweitert, und wiederum eine Woche später diesem etwas Fleisch hinzugefügt, da diese Zusammenstellung auf die Ernährungsbedürfnisse dieser Entwicklungsphase abgestimmt ist. Bei der Gemüse- und Fleischwahl war ich nicht zu abwechslungsreich und habe mich an den regionalen und saisonalen Gemüsesorten orientiert. Gut verträglich und nährstoffreich sind beispielsweise Karotten, Pastinaken, Fenchel und Zucchini. Beim Fleisch habe ich mich für ein mageres Stückchen vom Kalb entschieden, es eignen sich jedoch auch Rind, Geflügel, Lamm oder Schwein. Als zusätzlichen Vitamin-C-Lieferant, habe ich dem ganzen noch ein wenig Orangensaft hinzugefügt. Nach Lehrbuch also alles richtig gemacht…

Am Ende der dreieinhalb Wochen war ich jedoch eher frustriert, denn auf die allmählichen Umstiegsversuche reagierte unsere mini Maus nicht mit zunehmender Neugier, vielmehr fing sie mehr und mehr an den Brei regelrecht zu verweigern, indem sie die Lippen zusammenpresste und mir mit Quengeln bis hin zu Schreikrämpfen zu verstehen gab, dass sie so gar keine Lust auf die neue Nahrung hat. Ich war schon verunsichert, denn die gleichaltrigen Kleinen meiner Freundinnen konnten gar nicht genug bekommen.

Nachdem es eher schlimmer statt besser wurde, beschloss ich eine zwei- bis dreiwöchige Breipause einzulegen und dann nochmal von Neuem zu beginnen. Demzufolge, was ich gelesen hatte, gibt es Kinder, die bereits mit vier Monaten Brei essen, die meisten aber zwischen dem fünften und siebten Monat und einige eben erst mit acht bis neun Monaten. Da unserem Kind nach dem Stillen nicht weiter hungrig ist, kann ich davon ausgehen, dass sie momentan nicht weiter auf Breimahlzeiten angewiesen ist. Auch laut derzeitigem Gewicht liegt sie genau in den Perzentilen der Wachstumskurve. Doch spätestens mit neun Monaten werden die Nährstoffe bei ausschließlicher Ernährung durch (Mutter-)Milch nicht mehr ausreichen, da auch der Energiebedarf des Kindes weiter zunimmt. Da unsere mini Maus aber dennoch interessiert scheint, sobald wir etwas essen, dachte ich, sie probiert, sobald sie etwas vom Familientisch zu essen bekommt. Baby-led weaning (BLW) nennt sich dieser breilose Beikost-Trend bei dem das Baby die Möglichkeit hat an den Mahlzeiten teilzuhaben und so für sein Alter geeignetes Fingerfood wie gekochten Brokkoli oder Karotten zu versuchen und zugleich die Möglichkeit bekommt verschiedenste Nahrungsmittel alleine kennenzulernen. Leider hat unsere Tochter mit dieser Methode jedoch auch keine Nahrungsmittel zu sich genommen, woraus ich geschlussfolgert habe, dass sie wohl einfach noch nicht bereit ist. Als ich dies während der telefonischen Ernährungsberatung bei unserem Kinderarzt geschildert habe, hat man mir gesagt, dass es sich nicht um ein medizinisches Problem, sondern vielmehr um reine Erziehungssache handle. Ich müsse eben konsequent sein und es sei bereits ein Fehler von mir so vielfältig Nahrung anzubieten, da mein Kind auf diese Weise meinen Stress zu spüren bekommt und merkt, dass ich dann immer weitere Alternativen biete. Man versicherte mir, dass, wenn ich meinen bestimmten Plan beharrlich verfolge, sich dies binnen einer Woche auszeichnen wird. Die Erziehung spiele dabei folglich eine große Rolle und sei wichtig für die Entwicklung des Kindes. Unsere sonst so süß und unschuldig dreinschauende Tochter kennt jedoch, wenn es ums Essen geht, keinerlei Toleranz und kann sich dann schnell so in Rage schreien, dass sie sich verschluckt oder ihr gar die Luft wegbleibt… Dass ich dem schnellstmöglich Abhilfe schaffen will, ist ja nur verständlich, denke ich… wie soll da Konsequenz überhaupt möglich sein?

Nach diesem Telefonat habe ich zunächst an mir selbst gezweifelt und ich habe mich tatsächlich kurz gefragt, ob meine Tochter dank mangelnder Konsequenz meinerseits so reagiert und ich mein erzieherisches Handeln überdenken muss. Aber ganz ehrlich… inwieweit ist dies bei einem sieben Monate alten Kleinkind denn möglich? Laut der WHO geht es darum, das Baby beim (selbstständigen) Essen zu unterstützen, mit dem Geschmack und der Beschaffenheit der Kost zu experimentieren und mittels verschiedener Methoden zum Essen zu ermuntern, das Kind jedoch nicht zu zwingen.

Ich werde also wie bisher fortfahren und meine Tochter immer mal wieder probieren lassen ohne sie dabei unter Druck zu setzen. Wenn sie soweit ist, wird das Thema ganz von alleine gegessen sein 😉

Ich werde berichten, wie die Geschichte weitergeht.

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